Reise in die Dunkelheit

2007 war ich auf einer Reise in Vietnam. Aus meinem Reisetagebuch:
„Spät angekommen. Das Zimmer hat kein Fenster. Aufgewacht und es wurde nicht hell. Konnte den Lichtschalter nicht finden. Gibt es diesen Tag? Eine unsichtbare Welt. Ich bleibe auf dem Bett liegen und horche. Klappern von Töpfen. Straßenlärm. Scheißhunde. Jemand an der Türe. ‚Good morning, Sir, english newspaper.’ Nehme die Zeitung mit ins Zimmer, mache das Licht an. Finde einen Artikel über den blinden Poeten Thanh.“
Bewegt von seiner Geschichte, entschied ich mich, ihn zu besuchen. Zwei Tage lang reiste ich von Hanoi aus mit dem Zug in die Provinz. Unterwegs half mir ein junger Mann, der Thanh anrief und meinen Besuch ankündigte. Bei der ersten Begegnung konnten wir uns kaum verständigen. Zur Begrüßung ein Händedruck. Zum Abschied eine Umarmung.
Zurück in Deutschland blieb es nicht bei der Erinnerung. Die Reise nach Vietnam war zu einer Reise in die Dunkelheit geworden.
(zum Artikel in Viet Nam News)